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Erlebensorientiert Pflegen: Wertschätzung von Menschen mit und ohne Demenz im Seniorenhaus Marienkloster, Düren

„Schon seit 15 Jahren wird im Seniorenhaus Marienkloster nach dem Mäeutischen Pflege- und Betreuungsmodell gearbeitet. Der Begriff „Mäeutik“ ist den Mitarbeitenden des Seniorenhauses sehr vertraut, und die Bewohner des Hauses profitieren davon“, erläutert die Seniorenhausleiterin Nadja Pazzini.
Das Modell wurde von der Niederländerin Dr. Cora van der Kooij entwickelt und zielt darauf ab, dem Schwinden des Personseins bei demenziell veränderten Menschen mit mehr Aufmerksamkeit, Nähe und Geborgenheit entgegenzuwirken. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Cellitinnen-Seniorenhäuser durchlaufen die Mäeutik- Basiskurse, in denen sie lernen, sich in den an Demenz erkrankten Menschen hineinzuversetzen und seine Bedürfnisse wahrzunehmen.

„Jeder Moment, in dem sich der Betroffene verstanden und angenommen fühlt, stärkt sein Selbstwertgefühl und Wohlbefinden“, erklärt Pazzini, die selbst Mäeutik-Trainerin ist. Trainer sind in allen Einrichtungen der Cellitinnen-Häuser tätig. Sie bieten Fortbildungen an und führen das sogenannte ‚Training on the job‘ durch. Bei diesem begleiten sie Pflegende und Betreuende in der Pflege. Auf einer wertschätzenden Ebene geben sie den Kolleginnen und Kollegen Feedback, was sie im Umgang mit einem demenziell veränderten Bewohner bereits gut machen und wo sie in einem gegenseitigen Kontakt mit dem Bewohner sind.  

 

Wurzeln in der klassischen Antike

 

Das mäeutische Prinzip geht auf den griechischen Philosophen Sokrates zurück und bedeutet übersetzt „erlösen, befreien“. Der Gelehrte hat seine Schüler durch philosophische Fragen zu eigenverantwortlichen Denken, Reflexionsfähigkeit und Einsichten geführt. Im Pflege- und Betreuungskontext bedeutet es, dass man durch eine bestimmte Fragetechnik und eine wertschätzende Haltung den Mitarbeitenden verdeutlicht, was sie bereits intuitiv mit Erfolg ausprobiert haben, um Kontakt mit dem Bewohner herzustellen. Dieses Verstehen und Wissen soll dann als bewusste Kompetenz in die Betreuung und Pflege der Bewohner einfließen, um insbesondere herausfordernde Situationen kreativ zu lösen. Zudem hat die Mäeutik das Ziel, Pflege zu „versprachlichen“, d. h. die Mitarbeiter lernen, ihrem Tun und ihren Erfahrungen Worte zu geben.  

Das zentrale Instrument in der Mäeutik ist die Bewohnerbesprechung. Bei dieser werden die Lebensgeschichte, das Erleben der Bewohner, ihre Verhaltensgewohnheiten und Bedürfnisse beleuchtet. An der Besprechung nehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen teil, wie der Pflege, Betreuung, Hauswirtschaft und Verwaltung. Gerne nehmen auch Angehörige an der Bewohnerbesprechung teil, um ihre Erfahrungen einzubringen. Aus den unterschiedlichen Blickwinkeln ergibt sich letztlich ein facettenreiches Gesamtbild.  

„Bei der Bewohnerbesprechung geht es um die individuelle Erlebenswelt des Bewohners“, informiert die Seniorenhausleiterin: „Um erlebensorientiert zu pflegen und zu betreuen, müssen wir die Bedürfnisse der Bewohner erst einmal ans Licht bringen, denn sie können diese häufig nicht mehr artikulieren.“

 

Ressourcen, Vorlieben und Kraftquellen 

 

Unentdeckte und nicht befriedigte Bedürfnisse können sich auch hinter herausforderndem Verhalten verstecken, wie beispielsweise ständigem Rufen, verweigern von Nahrung oder pflegerischer Hilfe. Es kann als ein Schrei nach Zuwendung und Aufmerksamkeit verstanden werden.

 

In der Mäeutik spielt die Lebensgeschichte des Bewohners eine wichtige Rolle. Was macht den Menschen aus, welche Erfahrungen hat er in seinem Leben gemacht, welche Verluste hat er erlebt und wie ist er damit umgegangen - was war ihm in seinem Leben wichtig?  

 

Die Mitarbeitenden werden darin geschult und ermutigt, mit den alten Menschen auf das gelebte Leben zurückzuschauen oder wenn dies nicht mehr möglich ist, die Lebensgeschichte zu kennen und wertzuschätzen. Manches Mal findet man dort die Ressourcen, Vorlieben und Kraftquellen, um einen besseren Zugang zum Bewohner zu finden.

 

„Mit diesen Informationen und vor allem positiven Kontaktmomenten, die Mitarbeiter mit dem Bewohner erlebten, werden in der Bewohnerbesprechung Umgangsempfehlungen erarbeitet, die in der Dokumentation hinterlegt, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflege und Betreuung angewendet werden“, so Pazzini. Sie können helfen, dass der Bewohner sich besser verstanden fühlt und dadurch die Pflege im Einvernehmen mit dem Bewohner erfolgen kann.

 

Mit dem Wissen aus der Bewohnerbesprechung ist der ‚richtige‘ Umgang mit dem Bewohner manchmal sehr einfach. Eine demenziell veränderte Seniorin kann beispielsweise gut mit Musik erreicht werden, indem der Mitarbeiter mit ihr ein Lied anstimmt, das sie kennt. Bei anderen Bewohnerinnen und Bewohnern ist es wichtig, dass sie etwas länger schlafen, damit sie am Tag wacher und ausgeglichener sind. Somit ist es ein Ziel, möglichst viele „Schlüssel“ zur Erlebenswelt der Bewohnerinnen und Bewohner zu finden. Das macht das Arbeiten mit dem mäeutischen Ansatz individuell und sehr kreativ.

 

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeitenden durch die Mäeutik die Herausforderungen des Berufsalltags besser meistern können, zufriedener sind und die Bewohner sich geborgen und verstanden fühlen“, erklärt Seniorenhausleiterin Nadja Pazzini.

 

 

Kontakt
Cellitinnen-Seniorenhaus Marienkloster 
Ansprechpartner: Frau Nadja Pazzini (Seniorenhausleiterin)
Kreuzauer Straße 211
52355 Düren
Telefon: 02421 5925-0
E-Mail: marienkloster@cellitinnen.de

am 8. Juli 2024 veröffentlicht
HVZ-Redaktion
Wohnangebote:
Wohnen ohne Pflege
Kurzzeitpflege
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Platzangebot:
Insgesamt 82
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